Das Coronavirus zwingt die Menschen, Abstand zu halten und zuhause zu bleiben. Viele Menschen verdammt das Virus zum Alleinsein, ihnen wird bewusst: Einsamkeit fühlt sich an wie physischer Schmerz. Der Grund dafür liegt im Gehirn.

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Lissi Pörnbacher ist Redakteurin beim Science Notes Magazin.

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Sophie Ketterer ist freie Illustratorin.

Stell dir vor, eine Person wirft dir einen Ball zu, du wirfst ihn weiter an eine dritte Person, die wirft ihn zu dir zurück oder zur ersten Person. Nach einigen Minuten aber spielen sich die beiden anderen Personen nur noch gegenseitig den Ball zu, ohne dich miteinzubeziehen.

So funktioniert Cyberball – allerdings ist der Ball kein echter, sondern ein digitaler; und die anderen Personen sind Avatare – nur, das weißt du während des Spiels nicht. Darum bist du wütend und traurig. Und während du im funktionellen Magnet-resonanztomographen liegst, zeigen deine Nervenzellen in einem Bereich des Gehirns erhöhte Aktivität, dem dorsalen Anterioren Cingulären Cortex (dACC). Genauso ist es bei physischem Schmerz.

Große Gehirne für die Gemeinschaft

Das fand der Psychologe Matthew Lieberman heraus. Er ist Direktor des Labors für Soziale Kognitive Neurowissenschaften an der University of California, Los Angeles (UCLA) und erforscht seit mehr als 20 Jahren das Gehirn. Er ist sich sicher: Das menschliche Gehirn sei deshalb so groß – im Verhältnis zum Körper – damit wir uns mit anderen zusammentun und kooperieren können. Damit unsere Vorfahren gemeinsam auf die Jagd gehen konnten. Dazuzugehören sicherte ihr Überleben.

Auch heute noch bedeutet dazugehören, Teil von etwas Größerem zu sein, Teil einer Geschichte, eines Ortes, einer Gruppe. Es bedeutet aber auch, von anderen gehört, gesehen, wahrgenommen werden. Und es ist ein Antrieb: Der Verhaltens- und Sozialpsychologe David McClelland beschrieb bereits 1987 in seinem Buch Human Motivation drei menschliche Bedürfnisse – Erfolg, Macht und Zugehörigkeit. Die Sehnsucht nach Zugehörigkeit kann dich motivieren, dich um andere zu kümmern, sie kann dich aber auch in die Arme von terroristischen Gruppen treiben. Das Fehlen von einem Zugehörigkeitsgefühl löst Schmerz aus. Matthew Lieberman nennt das »sozialen Schmerz«.

Kopfschmerzmittel gegen Einsamkeit

Es gibt eine Möglichkeit, diesen Schmerz zu bekämpfen:
Paracetamol. Normalerweise senkt das Medikament Fieber und lindert körperlichen Schmerz. Doch es kann noch mehr, wie Lieberman in einer Studie von 2010 herausfand. Er ließ Probanden täglich ein Gramm Paracetamol oder ein Placebo schlucken. Nach drei Wochen spielten alle Probanden Cyberball. Die Paracetamol-Gruppe zeigte keine erhöhte Aktivität im dACC. Das Medikament desensibilisierte sie für sozialen Schmerz.

Allerdings weißt du natürlich, Kopfschmerzmittel ist keine Lösung. Du hast eine bessere Idee. In einem Park triffst du dich mit einem alten Freund. Du wirfst ihm einen Ball zu – und er wirft ihn zurück.

Dieser Text ist zuerst erschienen in der vierten Ausgabe  zum Thema »Kommt zusammen«.

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Lissi Pörnbacher ist Redakteurin beim Science Notes Magazin.

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Sophie Ketterer ist freie Illustratorin.

Inhalt

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Vom Sammeln und Teilen

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Was lernt die Wissenschaft aus der Krise über wissenschaftliches Publizieren?

S4

Hier werden die gefährlichsten Viren der Welt erforscht – ein Ortsbesuch in einem Hochsicherheitslabor.

Nocebo

Placebos böser Bruder sagt Dir: »Ich werde schaden.«

Harmonie auf Zeit

Was lernt die Wissenschaft aus der Krise über Kooperation?