Per Vulva durch die Galaxis
Irgendwie sehen Raumschiffe immer aus wie fliegende Penisse. Die Künstlerin Jasmin Mittag hat endlich ein Raumschiff in Vulva-Form entworfen.
Die Idee zum Vulva Spaceship möchte Jasmin Mittag gar nicht so sehr für sich beanspruchen. Die Künstlerin und Aktivistin vergleicht sie mit der Erfindung des Telefons – die Idee hätten auch mehrere Menschen zu einem ähnlichen Zeitpunkt gehabt. Mittag und ihr Team haben den Gedanken einer fliegenden Vulva schließlich aufgegriffen – und ein Modell entworfen, das die weibliche Anatomie möglichst detailliert darstellt: mit Labia, Klitorisperle und Vagina.

Die elliptische Form haben Designerinnen entwickelt, Mittag hat bei der genauen Gestaltung beraten. Ein Glück, denn sonst wäre das Vulva-Raumschiff um einen zentralen Punkt ärmer: »Die haben anfangs die Klitorisperle vergessen. Aber jetzt ist sie ja zum Glück da«, erzählt sie. Zu dem Kunstprojekt zählt auch eine Mockumentary. Die inszenierte Dokumentation zeigt eine fiktive Wissenschaftlerin mit ihrem Team bei der Entwicklung des Vulva Spaceship. Auch eine Petition für mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Raumfahrt haben Mittag und ihr Team gestartet und bei der ESA eingereicht. Der Zuspruch war groß, vor allem aus der Raumfahrt selbst: Weltraum-Ingenieurinnen seien auf sie zugekommen, glücklich über die Aufmerksamkeit, die das Thema endlich bekommt, erzählt Mittag.
Ab wann können wir den Weltraum also in einer Vulva durchfliegen? Das kann Mittag nicht sagen. Von ihrem Spaceship gibt es weder echte Konstruktionspläne noch Prototypen. Mittag geht es in erster Linie darum, Bewusstsein zu schaffen. Was darüber hinausgeht, begrüßt sie – vielleicht bauen Raketenwissenschaftlerinnen ja irgendwann ein echtes Vulva-Raumschiff. Jasmin Mittag ist es wichtig, dass die Raumfahrt divers und gleichberechtigt wird: »Man kann Raumfahrt durchaus in Frage stellen. Aber wenn wir uns für sie entscheiden, dann machen wir’s auch richtig.«
Dieser Text stammt aus der Ausgabe Nr. 9 »Was ist Frau?«
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