Stuttgart 2050
Stuttgart 2050
feat. Dominik Eulberg
Wie sieht die Zukunft aus? Wie kann Stuttgart wachsen und gedeihen? Wie kann die Stadt ein Ort werden, an dem Menschen, Natur und Gesellschaft mit einander in Beziehung stehen?
Das Science Notes Magazin lädt Forschende ein, ihre Vision von Stuttgart 2050 auf der Bühne am Marktplatz zu präsentieren. Zentrale Zukunftsfragen stehen dabei im Mittelpunkt: Wie können Städte Ernährung, Klima und Biodiversität gleichzeitig sichern? Wie entsteht ein öffentlicher Raum, der Demokratie ermöglicht und Vielfalt sichtbar macht? Und wie lässt sich Stadt als gemeinsame Landschaft für Menschen und andere Arten denken?
Begleitet wird der Abend von DJ, Musikproduzent und Biologe Dominik Eulberg, der uns auf eine audiovisuelle Reise mitnimmt.
Die Veranstaltung ist Teil des Stuttgarter Wissenschaftsfestivals.

Programm
Tägliche Dosis öffentlicher Raum
Prof. Dr. Martina Baum | Universität Stuttgart
Wo erleben wir Gesellschaft noch in ihrer ganzen Vielfalt? Eine wichtige Antwort darauf ist der öffentliche Raum. Hier begegnen wir Menschen mit anderen Lebensrealitäten, Meinungen und Hintergründen, jenseits von Filterblasen und Peergroups.
Im europäischen Verständnis sind Demokratie und öffentlicher Raum eng miteinander verbunden. Demokratie braucht Öffentlichkeit, und diese manifestiert sich in unseren Städten – auf Plätzen und Straßen ebenso wie in öffentlichen Gebäuden. Deshalb muss immer wieder neu ausgehandelt werden, wie Stadt ein integrativer und produktiver Ort für alle sein kann: ein öffentlicher Raum und zugleich ein Raum des Öffentlichen. Das „Täglich“ beschreibt dabei einen konzeptionellen und baulichen Typus des Öffentlichen, in dem aus gesellschaftlicher Vielfalt ein gemeinsamer Nährboden entsteht.

Prof. Dr. Martina Baum ist Architektin, Stadtplanerin und seit 2014 Direktorin des Städtebau-Instituts der Universität Stuttgart. Einer ihrer Forschungsschwerpunkte ist der öffentliche Raum. Dabei verbindet sie theoretische Erkenntnisse mit entwurfsbasierter Forschung und inter- sowie transdisziplinären Methoden, etwa in Reallaboren, um neue Ansätze direkt in die Praxis zu überführen.
Wie geht nachhaltigere Lebensmittelversorgung mit Bioökonomie?
Prof. Dr. Iris Lewandowski | Universität Hohenheim
Wie können wir ausreichend Lebensmittel produzieren, den Klimawandel begrenzen und gleichzeitig die biologische Vielfalt erhalten? Antworten auf diese Fragen sucht die Bioökonomie – eines der strategischen Leitthemen der Universität Hohenheim.
Anhand konkreter Beispiele zeigt Prof. Dr. Iris Lewandowski, wie nachhaltige Kreisläufe in der Lebensmittelproduktion entstehen können. Im Mittelpunkt stehen innovative Ansätze wie die Rückgewinnung von Nährstoffen aus städtischen Abfällen und Abwässern sowie Urban-Gardening-Systeme, die Nährstoffkreisläufe direkt in der Stadt schließen. Dabei wird deutlich, wie Bioökonomie fossile Rohstoffe ersetzen, Emissionen verringern und gleichzeitig Biodiversität und Stadtklima fördern kann.
Iris Lewandowski ist Professorin für „Nachwachsende Rohstoffe in der Bioökonomie“ an der Universität Hohenheim. Sie forscht und lehrt zu nachhaltigen Agrarsystemen und biobasierten Wertschöpfungsnetzen, leitet den ersten internationalen Masterstudiengang Bioeconomy in Europa und engagiert sich als Co-Vorsitzende des Beirats die Umsetzung der Landesstrategie „Nachhaltige Bioökonomie für Baden-Württemberg”.
Urbane Falter - mehr Glück wagen
Natalia Eulberg
Stellen wir uns Stuttgart im Jahr 2050 vor, möchten wir eine lebenswerte, pulsierende Stadt. Dabei können wir diese nicht nur für uns lebenswert gestalten, sondern auch für unsere geflügelten Freunde: Schmetterlinge.
Denn wenn wir Städte klimaresilienter umbauen, schaffen wir gleichzeitig Lebensräume für Insekten. Handlungen gegen Hitze, für saubere Luft und grüne Oasen dienen nicht nur uns. Schmetterlinge sind ein Indikator für intakte Lebensräume und erfüllen uns gleichzeitig mit Glück – wenn wir genau hinschauen. Natalia Eulberg zeigt anhand von Beispielen, wie groß wir die Zukunft denken können, dass sich auch die Kleinen wohlfühlen.
Vom Taubenschwänzchen bis zum Tagpfauenauge: Wie viele Schmetterlinge wollen wir haben?

Ein Leben ohne Raupen ist möglich, aber sinnlos. Natalia Luzenko studiert die Larvenstadien heimischer Schmetterlingen, um das Verhältnis zwischen Natur und Mensch besser verstehen zu können. Die Erkenntnisse aus ihrer autodidaktischen Raupenforschung fließen dann in ihre Arbeiten als freischaffende Künstlerin ein.
Stadtmensch trifft Stadtnatur
Prof. Dr. Leonie Fischer | Universität Stuttgart
Welche Rolle spielt die Stadt für die Natur – und welche Rolle spielt die Natur in der Stadt?
Der Beitrag von Prof. Dr. Leonie Fischer zeigt, welche großen Potenziale Städte für Biodiversität bereithalten. Im Mittelpunkt steht dabei die Vielfalt urbaner Lebensräume: von besonderen bis hin zu ganz alltäglichen Pflanzen- und Tierarten und die Menschen, die diese Vielfalt wahrnehmen und erleben.
Dabei geht es auch um individuelle Vorlieben und Wahrnehmungen: Wer mag welches Grün, welches Blau und welche Tiere, und warum ist das so? Die Veranstaltung lädt dazu ein, Stadt als gemeinsame Landschaft zu verstehen, die von Menschen und anderen Arten gleichermaßen geprägt und genutzt wird.

Die Stadtökologie ist der wissenschaftlicher Schwerpunkt von Prof. Dr. Leonie Fischer. Die Landschaftsökologin ist Professorin an der Universität Stuttgart und interessiert im Rahmen ihrer Forschung sowohl für tropischen als auch für gemäßigten Regionen. Sie möchte unter anderem verstehen, welche Biodiversität wo vorhanden ist, wie Menschen die städtische Natur wertschätzen und welche Faktoren ihre Einstellung beeinflussen. Ein wesentlicher Bestandteil ihrer Forschungsarbeit ist ihre praktische Ausrichtung und Anwendbarkeit.
Musik
Dominik Eulberg
Dominik Eulberg gestaltet unseren Biodiversitätsabend musikalisch und erzählt dabei von seinen Erkundungen der Tierwelt: von Libellen, Glühwürmchen und Eisvögeln. Dabei spielt er auch Tracks aus seinem Album »Bionik«.
Dominik Eulberg, der ravende Ornithologe aus dem Westerwald, international gebuchter DJ im Rampenlicht und stiller Beobachter heimischer Flora und Fauna gleichermaßen, ein Meister der versöhnlichen Widersprüche. Seit seiner ersten Veröffentlichung im Jahre 2003 streut der Ausnahmekünstler nun schon ökologisches Fachwissen mit seinen Tracks in die Welt, um Menschen für die Natur zu resensibilisieren. Natur ist die große Inspirationsquelle für sein Schaffen, inhaltlich wie dramaturgisch und das bereits seit 1993.