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Guter Stoff

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Katharina Wulff

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Ariel Victor Arthanto

Heilsamer Rausch

Wo klassische Therapien versagen, sollen MDMA, Ketamin und Psilocybin helfen. Die einen hoffen auf wundersame Heilung, die anderen warnen vor allzu enthusiastischen Drogengurus. Was sagt die Wissenschaft?

Die Festivalbesucher:innen tanzen gerade in den Morgen, als die Katastrophe passiert.

Viele von ihnen sind von Psychedelika, MDMA, Cannabis, Alkohol oder Ketamin berauscht. DJ Artifex legt unter bunten Sonnensegeln Trance-Tracks auf, als am Himmel über der israelischen Negev-Wüste Raketen aus Richtung Gaza auftauchen. Wenig später stürmen mit Kalaschnikows bewaffnete Hamas-Terroristen das Gelände und beginnen auf die Feiernden zu schießen.

Über 360 Menschen werden infolge des Angriffs auf das Nova-Festival am 7. Oktober 2023 sterben. Viele Überlebende bleiben traumatisiert zurück.

Als der Neurowissenschaftler Roy Salomon von dem Anschlag erfährt, ist ihm sofort klar: Er muss den Traumatisierten helfen. Salomon forscht an der Universität Haifa zu kognitiven Mechanismen des Ich-Erlebens und Bewusstseinsveränderungen. Er weiß, dass viele der Überlebenden zu dem Zeitpunkt des Angriffs unter Drogeneinfluss standen und dass das ihr Traumaerleben beeinflussen wird. Doch wie genau sich die Drogen auf die Traumata auswirken, ist unklar. Roy Salomon will das ändern – und beschäftigt sich seitdem vor allem mit einer Frage:

Können Partydrogen heilen?

Um dieses Thema ist ein regelrechter Hype entbrannt. Die Zahl der wissenschaftlichen Artikel zu Substanzen wie MDMA, Psilocybin und Ketamin hat sich in den vergangenen 20 Jahren beinahe verfünffacht. In Erwartung zukünftiger Geschäfte, stecken Investoren bereits Milliarden in US-amerikanische Start-Ups, die psychedelische Drogen medizinisch vermarkten wollen. Patient:innen, Forscher:innen und Behandler:innen versprechen sich viel von neuen Therapieformen mit den Rauschmitteln. Und Roy Salomon sagt: »Das größte Risiko wäre, nicht mehr mit der Forschung weiterzumachen.«

Nach dem Terroranschlag gründete Salomon gemeinsam mit Kolleg:innen das Hilfsnetzwerk Safe Heart, bei dem sich schon in den ersten Monaten rund 2000 Menschen meldeten – fast die Hälfte der Überlebenden des Nova-Festivals. Er baute eine enge Verbindung zu ihnen und ihren Familien auf, verbrachte mit ihnen auch privat viel Zeit am Telefon. Eine Betroffene ist Salomon besonders im Gedächtnis geblieben. Sie sagte zu seiner Forschung über ihre Erlebnisse: »Vielleicht können wir wenigstens etwas daraus lernen.« Sie wurde am Tag des Angriffs mehrfach angeschossen.

Aus Roy Salomons Arbeit bei Safe Heart entstand schließlich eine Langzeitstudie über die Traumaverarbeitung unter dem Einfluss von Psychedelika. 923 Betroffene aus dem Hilfsnetzwerk nahmen daran teil. »Ich habe mir die Trauma-Forschung nicht ausgesucht, sie hat sich wohl eher mich ausgesucht«, sagt Salomon. In der Datenanalyse fand er einen Mechanismus, von dem die psychologische Forschung schon länger ausgeht: Die als MDMA bekannte Substanz 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin scheint einen positiven Effekt auf die Traumaverarbeitung zu haben. Zumindest berichten diejenigen, die es zum Zeitpunkt des Hamas-Überfalls konsumiert hatten, einige Monate später von mehr sozialen Kontakten, besserem Schlaf und weniger starken Symptomen einer Posttraumatischen Belastungsstörung als die Vergleichsgruppen.

Daraus ergab sich die entscheidende Frage: Kann MDMA im Rahmen einer Therapie auch anderen traumatisierten Menschen helfen? »Diese Forschung«, sagt Roy Salomon, »ist das Wichtigste, was ich je in meiner Laufbahn getan habe«.

Zulassung: abgelehnt

Schon im Jahr 2017 labelte die US-Zulassungsbehörde Food and Drug Aministration (FDA) MDMA als breakthrough therapy bei Posttraumatischen Belastungsstörungen. Dieses Label bekommen Medikamente, die deutlich besser bei schwerwiegenden Erkrankungen helfen sollen als die bisher verfügbaren Mittel. Man erhoffte sich unter anderem, traumatisierte Kriegsveteran:innen mit der Substanz behandeln zu können. MDMA sorgt – vereinfacht gesagt – dafür, dass mehr Serotonin, Noradrenalin und Dopamin im Gehirn ausgeschüttet werden und so ein euphorisches Gefühl entsteht. Es macht Menschen außerdem empathischer, vertrauensvoller und fürsorglicher – auch gegenüber sich selbst.

In der Traumatherapie könnte MDMA dabei helfen, traumatische Erinnerungen neu und weniger angstbesetzt abzuspeichern. Einige, zum Teil kleine klinische Studien belegen zumindest die kurzfristige Wirksamkeit von MDMA in der Therapie von Posttraumatischen Belastungsstörungen. Bis heute ist Australien jedoch das einzige Land der Welt, in dem MDMA in der Therapie angewendet werden darf. Was ist das Problem?

Ein Teil der Antwort liegt womöglich in der psychedelischen Forschungsgemeinschaft selbst. Dazu hilft ein Blick auf die Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies (MAPS): Sie ist die weltweit größte und einflussreichste Interessensvertretung im Bereich der psychedelischen Therapie. Damit sind auch Behandlungen mit MDMA oder Ketamin gemeint, auch wenn dies keine klassischen Psychedelika sind. Die Organisation sitzt in den USA und gilt als gemeinnützig. Sie setzt sich nicht nur seit Jahrzehnten für die Zulassung von MDMA ein, sondern will allgemein den gesellschaftlichen Umgang mit Rauschmitteln revolutionieren – ihrem Gründer zufolge sogar mit einer »spiritualisierten Menschheit« die Welt retten.

Damit die Behörden MDMA für die PTBS-Therapie zulassen würden, lobbyierte MAPS unermüdlich und gründete 2024 ein kommerzielles Unternehmen. Das half bei der Finanzierung von Studien, beantragte die Zulassung und meldete ein Patent auf spezifisch formulierte MDMA-Kapseln an. Kein Wunder also, dass die Behörden misstrauisch wurden, wenn die Organisation, die Studien zur therapeutischen Wirksamkeit von MDMA beauftragt und finanziert offensichtlich auch ein finanzielles Interesse an positiven Ergebnissen der Studien hat. Analysen belegen das Problem: Klinische Studien, in denen Autor:innen Interessenskonflikte angeben, ergeben fast fünfmal häufiger, dass ein Präparat signifikant besser wirkt als ein Placebo.

Ketamin gegen Depressionen

Auch Henrik Jungaberle ist der MAPS nicht besonders gewogen. Sie sei eine Organisation für »psychedelische Enthusiasten« und »Weltverbesserer«. Dabei ist er selbst ein Enthusiast, der mit großen Gesten und strahlendem Lachen über die Chancen der Psychedelika für die Psychotherapie spricht. 2016 gründete er die Mind-Foundation mit Sitz in Berlin: eine Gruppe engagierter Fachleute mit der selbsterklärten Mission, psychedelische Therapien in die öffentliche Gesundheitsversorgung zu bringen. Den Weg zum Ziel möchte er seriös und faktenbasiert gestalten – frei vom Hippie-Image, das den Psychedelika anhaftet. 2021 baute er mit seiner Ehefrau, der Anästhesistin und Psychotherapeutin Andrea Jungaberle, deshalb die Ovid Clinic Berlin auf.

Diese Klinik, eine Mischung aus Privatpraxis und privater Tagesklinik, hat tatsächlich nichts Esoterisches an sich. Genauso gut könnte in den hellen Praxisräumen in Berlin-Friedrichshain ein IT-Start-Up seine Büros haben. Unter Leitung von Chefärztin Andrea Jungaberle werden hier Patient:innen mit Depressionen, Angststörungen und Burnout behandelt – etwa ein Drittel von ihnen konventionell psychotherapeutisch, der Rest zusätzlich mit einer Ketamin-Infusion. In besonderen Härtefällen bekommen die Patient:innen auch Psilocybin. Die Behandlung mit MDMA ist in Deutschland außerhalb von klinischen Studien bisher illegal.

Kostenpunkt für eine sogenannte Ketamin-augmentierte Psychotherapie, also die Erweiterung der Psychotherapie mit Ketamin: 6.500 bis 7.500 Euro im ambulanten Setting und mindestens 12.000 Euro für einen vierwöchigen Aufenthalt in der Tagesklinik. Anders als die privaten Kassen übernehmen gesetzliche Krankenkassen die Kosten nicht. Zwar seien viele Patient:innen ohnehin privat versichert, man müsse aber aufpassen, dass sich gesetzlich Versicherte für die Therapie nicht verschulden, sagt Henrik Jungaberle. Über Hälfte der Anfragen für eine Ketamin-augmentierte Psychotherapie müssten sie ablehnen – weil die Menschen überzogene Erwartungen hätten oder schlicht keine psychotherapeutisch relevante Diagnose mitbrächten. »Wir sind kein Wunderheilungsreisebüro«, sagt Jungaberle.

Für ihn ist klar: Damit dieser Hype realistischen Erwartungen weicht, sollten sich Forscher:innen aus dem Bereich weiterhin um medizinische und psychotherapeutische Anschlussfähigkeit bemühen und all jenen, die anti-psychiatrisch, esoterisch und unethisch agieren, klare Grenzen aufzeigen. Noch bevor man nachfragen kann, erzählt er von einem schwarzen Schaf der Szene. Ein Berliner Arzt hatte 2009 während einer vermeintlichen psychedelischen Gruppentherapie zwei Menschen eine tödliche Dosis MDMA verabreicht. »Der Fall gerät so langsam in Vergessenheit. Ich versuche aber, die Erinnerung wachzuhalten«, sagt Jungaberle. Er wolle so ein Risikobewusstsein schaffen.

Auch die von der Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies (MAPS) angestrebte MDMA-Zulassung in den USA wurde durch einen Skandal erschüttert. Ein Video von dem Vorfall dürfte der gesamten Szene zum Verhängnis geworden sein: Während einer Zulassungsstudie legte sich ein Psychotherapeut zu einer Traumapatientin ins Bett und umarmte sie von hinten. Obwohl die Patientin sichtlich dagegen protestierte, ließ er nicht von ihr ab.

Henrik Jungaberle zufolge ist die psychedelische Blase zerstritten. Denn sie ist divers: Da gibt es Weltverbesserer, Lobbyist:innen, schwarze Schafe und skeptische Wissenschaftler:innen. Irgendwo dazwischen stehen Patient:innen, die zum Teil jahrelang psychisch erkrankt seien und in denen Medien oder selbsternannte Gurus große Hoffnungen geweckt hätten. Es sind Fälle bekannt, in denen genau das Studienergebnisse verzerrt hat – weil Proband:innen die Zulassung einer mutmaßlich bahnbrechenden Behandlung nicht gefährden wollten.

»Wie nach einem Gläschen Champagner«

Große Hoffnungen hatte auch Johannes Horn (Name geändert). Er hatte jahrelang Depressionen, und zwar die Art, die man in der Fachsprache therapieresistent nennt. Tiefenpsychologie, Verhaltenstherapie, trizyklische Antidepressiva, Selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer, Lithium: Nichts half gegen das Gefühl, dem Leben überdrüssig zu sein. Horns Suche nach Hilfe führt ihn schließlich an das Universitätsklinikum Frankfurt. Dort forscht der Psychiater Andreas Reif zu der Wirkung von Esketamin bei Depressionen. Esketamin ist chemisch verwandt mit Ketamin und wird als Therapiemittel bei starken Depressionen mittlerweile auch von der Krankenkasse bezahlt.

Johannes Horn wurde stationär in die Psychiatrie aufgenommen und bekam über sechs Wochen hinweg zweimal die Woche eine kleine Dosis Esketamin intravenös. »Danach habe ich mich leicht und wohlig gefühlt. Wie nach einem Gläschen Champagner oder den ersten Schlucken Caipirinha«, sagt Horn. Gerade nach vielen düsteren Jahren sei das ein angenehmes und belebendes Gefühl gewesen. Andere Patient:innen erleben in den Sitzungen außerkörperliche Erfahrungen, einige von ihnen halluzinieren oder reisen in ihre eigene Vergangenheit zurück.

Behandler:innen und Forscher:innen gehen davon aus, dass Ketamin und Esketamin ähnlich wie gängige Psychopharmaka antidepressiv wirken – allerdings nicht über Serotonin, sondern über den Botenstoff Glutamat. Denn die Substanzen blockieren bestimmte Rezeptoren im Gehirn, sodass Glutamat verstärkt ausgeschüttet wird. Ketamin wirkt dadurch nicht nur stimmungsaufhellend, sondern versetzt das Gehirn auch in einen Zustand, in dem es besonders aufnahmefähig und wandelbar ist. Dieser Zustand ist ein wesentliches Argument für eine begleitende Psychotherapie, die dann besonders tiefgreifende Veränderungen erwirken kann. Auf diesem Prinzip basiert auch die Ketamin-augmentierte Psychotherapie in der Berliner Ovid Clinic.

Für Horn war die Esketamin-Infusion auch ohne begleitende Psychotherapie der Weg aus der akuten Krise. Er beginnt, Spanisch zu lernen und ein Buch zu schreiben, versucht sich an einem Surfschein. Esketamin habe ihm geholfen, alles etwas positiver zu sehen, sagt er.

Dass Ketamin allein oder in Kombination mit Psychotherapie akute Depressionssymptome lindern kann, gilt als gut belegt. Überzeugende Langzeitstudien aber fehlen bisher. Henrik Jungaberle verweist auf eine Überblicksarbeit, die aber schließt vor allem Studien ein, die nicht den höchsten wissenschaftlichen Standards entsprechen.

Von Risiken und Nebenwirkungen

Auch Eiko Fried, Professor für Mental Health and Data Science an der niederländischen Universiteit Leiden kritisiert die derzeitige Studienlage. Er ist so etwas wie ein hauptberuflicher Skeptiker der psychedelischen Psychotherapie. Seine Kritik legt er zum Beispiel in einer ausführlichen Online-Vorlesung dar. »Grundsätzlich nehme ich an, dass die Autor:innen der Studien, die ich kritisiere, unabsichtlich Fehler gemacht haben und nicht aus böser Absicht heraus unsauber arbeiten», sagt er. »Aber ich komme trotzdem zu dem Schluss, dass in der psychedelischen Forschung zu viele Fehler passieren, als dass alle aufrichtig sein können.«

Neben den fehlenden Langzeitstudien gibt es für Fried ein grundsätzliches Problem in der Forschung mit Psychedelika. Es liegt in der Natur der Substanzen, denn die erzeugen einen veränderten Bewusstseinszustand und das ist ein Hindernis für den methodischen Goldstandard. Der erfordert nämlich, dass Studien-Teilnehmer:innen zufällig in zwei Gruppen eingeteilt werden: eine, die die zu testende Substanz erhält, und eine Kontrollgruppe, die ein Placebo bekommt. Damit es nicht zu Erwartungs– oder Enttäuschungseffekten kommt, sollten weder Patient:innen noch Behandler:innen die Gruppenzugehörigkeiten erraten können. Behandelt man Menschen mit MDMA, ist dieser Standard, den man doppelblind nennt, kaum herzustellen. Denn Menschen merken, ob sie unter dem Einfluss einer potenten Droge stehen oder eben nicht.

Und dann sind da noch die Gefahren.

Um die Sicherheit der Substanzen zu prüfen, sollten Studien laut Fried unerwünschte Nebenwirkungen abfragen – was sie jedoch häufig nicht täten. Im Fall von Ketamin könnten das zum Beispiel Dissoziation, also eine Art von Entfremdung von sich selbst, sein. Studien mit MDMA zeigen, dass Angst eine mögliche Nebenwirkung sein kann. Körperliche Nebenwirkungen wie Herzrasen, Übelkeit, Kopfschmerzen oder Schwindel können bei allen psychedelischen Substanzen hinweg auftreten. »Wenn in klinischen Studien unerwünschte Nebenwirkungen auftreten, müssen sie im offiziellen Register für klinische Studien festgehalten werden, sodass Wissenschaftler:innen wie ich sie checken können«, erklärt Fried. Er verweist auf eine Metaanalyse von 2023: 41,5 Prozent der unerwünschten Nebenwirkungen von Esketamin bei der Depressionstherapie tauchen zwar in den offiziellen Registrierungen bei der Website clinicaltrials.gov auf, werden allerdings nicht in anschließenden Veröffentlichungen berichtet.

Die neue Studie

In Deutschland wurde gerade eine Studie veröffentlicht, die all die allgemeinen Kritikpunkten der psychedelischen Forschung ausräumen möchte: Die EPIsoDe-Studie untersucht an 144 Proband:innen, ob das Psychedelikum Psilocybin therapieresistente Depressionen nach zwei Sitzungen verbessert. Andrea und Henrik Jungaberles Mind Foundation ist Projektpartner der Studie und auch der Studienleiter ist ihnen gut bekannt: Gerhard Gründer ist Co-Chefarzt der Ovid Clinic und Gesellschafter der Mind Foundation.

Große Stichprobe, präzise Präregistrierung, Langzeitdaten, detaillierte Angaben von Interessenskonflikten: Henrik Jungaberle, der sonst Hype und Enthusiasmus ausbremsen will, schwärmt von der EPIsoDE-Studie. Für das Studiendesign haben sich die Autor:innen einen Kniff ausgedacht: Zwar gibt es in der ersten Runde eine Kontrollgruppe, die statt Psilocybin eine andere, nicht-halluzinogene Substanz bekommt. In der zweiten Sitzung erhalten aber alle Proband:innen eine Dosis Psilocybin. So wollen die Forscher:innen sicherstellen, dass die Enttäuschung der Teilnehmer:innen in der Kontrollgruppe die Ergebnisse nicht zu stark verzerren. »Überhaupt ist es eine der wichtigsten Studien in diesem Bereich, weil wir auch die Sicherheitsdaten genaustens erfasst haben«, sagt Jungaberle.

Ähnlich enthusiastisch waren auch die Hypothesen: Sechs Wochen nach der ersten Sitzung sollten sich in der Gruppe derjenigen, die eine 25 Milligramm Dosis Psilocybin bekommen haben, im Vergleich zu zwei Kontrollgruppen signifikant mehr Menschen befinden, deren Depressionssymptome sich auf einer gängigen Skala um mindestens die Hälfte reduziert haben.

Erste Auswertungen der Studie sind Mitte März im Journal JAMA Psychiatry publiziert worden. Zwar ging es den depressiven Teilnehmenden sechs Wochen nach der Psilocybin-Gabe deutlich besser. Aber die prognostizierte Riesenverbesserung ist nicht eingetreten.

Alle Patient:innen erlebten nach der Einnahme einer 25mg Psilocybin Dosis hingegen unerwünschte Nebenwirkungen wie Stimmungsschwankungen oder Kopfschmerzen. Bei einer Person war am Anschluss an die Studienteilnahme ein Krankenhausaufenthalt nötig, um anhaltende Angst und Depersonalisation zu behandeln. Auch Probleme in der Verblindung wurden deutlich. Etwa neun von zehn Patient:innen haben erraten, dass sie in der Psilocybin-Gruppe waren. Henrik Jungaberle gibt sich angesichts der Ergebnisse trotzdem optimistisch: »Es tut der ganzen Szene auch mal gut zu sehen, dass diese Wunderheilungserwartungen nicht zutreffen.«

Am Ende könnte vielleicht gerade ein Abklingen des Hypes dabei helfen, dass die psychedelische Medizin seriöser wird – und ihren Weg in die Mitte der Gesellschaft findet.

Dieser Text ist Teil des Schwerpunkts Guter Stoff im April 2026.

Im Text geht es um den Einsatz psychedelischer Substanzen im Rahmen einer Psychotherapie. Eine Selbsttherapie mithilfe psychedelischer Substanzen ist illegal und birgt große Risiken. Bei psychischen Problemen kannst du dich an die TelefonSeelsorge (0800 111 0 111 / 0800 111 0 222), Ärzt:innen oder Krisendienste wenden. Wenn du darüber hinaus Probleme mit Drogenkonsum hast, kannst du dich bei der Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) oder der Caritas für eine Beratung melden. Die Sucht und Drogen-Hotline erreichst du unter 01806 313031.

Quellennachweise

de Laportalière, T. T., Jullien, A., Yrondi, A., Cestac, P., & Montastruc, F. (2023). Reporting of harms in clinical trials of esketamine in depression: a systematic review. Psychological medicine, 53(10), 4305-4315.

Mertens, L. J., Koslowski, M., Betzler, F., Brand, M., Evens, R., Kärtner, L., … & Gründer, G. (2026). Efficacy and safety of psilocybin in treatment-resistant major depression: the EPISODE randomized clinical trial. JAMA psychiatry.

Mertens, L. J., Koslowski, M., Betzler, F., Evens, R., Gilles, M., Jungaberle, A., … & Gründer, G. (2022). Methodological challenges in psychedelic drug trials: Efficacy and safety of psilocybin in treatment-resistant major depression (EPIsoDE)–Rationale and study design. Neuroscience Applied, 1, 100104.

Mitchell, J. M., Bogenschutz, M., Lilienstein, A., Harrison, C., Kleiman, S., Parker-Guilbert, K., … & Doblin, R. (2021). MDMA-assisted therapy for severe PTSD: a randomized, double-blind, placebo-controlled phase 3 study. Nature medicine, 27(6), 1025-1033.

Netzer O, Magal N, Stern Y, Polinsky T, Gross R, Admon R, Salomon R. Trauma under psychedelics: how psychoactive substances impact trauma processing. World Psychiatry. 2025 Oct;24(3):444-445. doi: 10.1002/wps.21363. PMID: 40948086; PMCID: PMC12434345.

Perlis, R. H., Perlis, C. S., Wu, Y., Hwang, C., Joseph, M., & Nierenberg, A. A. (2005). Industry sponsorship and financial conflict of interest in the reporting of clinical trials in psychiatry. American Journal of Psychiatry, 162(10), 1957-1960.

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Veraart, J. K. E., Schimmers, N., Breeksema, J. J., Seybert, C., Kamphuis, J., Huber, L. F. T., … & Schoevers, R. A. (2026). Ketamine-assisted psychotherapies for mental disorders: A historical overview and systematic review. Clinical Psychology Review, 102706.

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