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Zarte Fakten

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Larglinda Islami

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Evelyn Dragan

Ausgerechnet Tierversuche

Im Labor erforscht die Neurowissenschaftlerin Larglinda Islami posttraumatische Belastungsstörungen – und muss dafür auch Mäuse töten. Außerhalb lebt sie vegan. Wie hält sie den inneren Konflikt zwischen Forschung und Tierliebe aus?

Mit zwölf Jahren habe ich aufgehört, Fleisch zu essen, aus Mitgefühl mit Tieren. Seit über 15 Jahren ernähre ich mich vegan. Ich bin mit Haustieren aufgewachsen und habe früh gelernt, Tiere als fühlende Individuen wahrzunehmen. Heute arbeite ich als Neurowissenschaftlerin und meine Forschung findet ausgerechnet an Mäusen statt.

Meine Forschungsschwerpunkte sind posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS), Trauma und Depression. Im Labor führe ich dafür Verhaltensexperimente und neurochirurgische Eingriffe durch. Im Rahmen meiner Promotion habe ich beispielsweise ein Tier-Modell der PTBS entwickelt, das nachbildet, wie traumatische Erfahrungen und ihre Folgen das Gehirn verändern. Dafür habe ich Mäuse in einer Versuchskammer elektrischen Schocks an den Füßen ausgesetzt und ihr Verhalten während und nach dieser Behandlung beobachtet. Nach den Laborexperimenten töte ich die Tiere, um ihre Gehirne und andere Organe auf molekulare Anhaltspunkte für Stressresilienz und Vulnerabilität untersuchen zu können.

Auf den ersten Blick scheint das widersprüchlich. Und doch geht es mir damit, vielleicht überraschenderweise, meist ganz gut. Ich habe gelernt, beides gleichzeitig aufrechtzuerhalten: meine Wertschätzung für Tiere sowie die Überzeugung, dass meine Arbeit einen wichtigen Mehrwert liefert.

Im Experiment fokussiere ich mich auf die Frage, was wir daraus lernen können. Kann dieses Wissen helfen, psychische Erkrankungen besser zu verstehen oder zu behandeln? Wenn das Experiment vorbei ist und ich das Tier wie geplant töte, bin ich traurig und empfinde Mitgefühl. Gleichzeitig bin ich sehr professionell. Ich weiß, dass ich in diesem Moment eine große Verantwortung trage. Es ist eine ambivalente Situation: Mitgefühl und Zweck gehen für mich Hand in Hand. Es ist kein Widerspruch, sondern genau das, was den Prozess und insgesamt meine Arbeit mit den Tieren so gewissenhaft macht. Gerade weil ich so empfinde, lege ich großen Wert darauf, dass jeder Schritt so sorgfältig und korrekt wie möglich durchgeführt wird.

Larglinda Islami bei ihrer Arbeit im Labor. Die Mäuse sind ihre Versuchstiere – und dennoch keine bloßen Objekte, sondern Lebewesen, mit denen sie fühlt und für die sie sorgt.

Larglinda Islami bei ihrer Arbeit im Labor. Die Mäuse sind ihre Versuchstiere – und dennoch keine bloßen Objekte, sondern Lebewesen, mit denen sie fühlt und für die sie sorgt.

Larglinda Islami bei ihrer Arbeit im Labor. Die Mäuse sind ihre Versuchstiere – und dennoch keine bloßen Objekte, sondern Lebewesen, mit denen sie fühlt und für die sie sorgt.

Larglinda Islami bei ihrer Arbeit im Labor. Die Mäuse sind ihre Versuchstiere – und dennoch keine bloßen Objekte, sondern Lebewesen, mit denen sie fühlt und für die sie sorgt.

Larglinda Islami bei ihrer Arbeit im Labor. Die Mäuse sind ihre Versuchstiere – und dennoch keine bloßen Objekte, sondern Lebewesen, mit denen sie fühlt und für die sie sorgt.

Larglinda Islami bei ihrer Arbeit im Labor. Die Mäuse sind ihre Versuchstiere – und dennoch keine bloßen Objekte, sondern Lebewesen, mit denen sie fühlt und für die sie sorgt.

Larglinda Islami bei ihrer Arbeit im Labor. Die Mäuse sind ihre Versuchstiere – und dennoch keine bloßen Objekte, sondern Lebewesen, mit denen sie fühlt und für die sie sorgt.

Larglinda Islami bei ihrer Arbeit im Labor. Die Mäuse sind ihre Versuchstiere – und dennoch keine bloßen Objekte, sondern Lebewesen, mit denen sie fühlt und für die sie sorgt.

Larglinda Islami bei ihrer Arbeit im Labor. Die Mäuse sind ihre Versuchstiere – und dennoch keine bloßen Objekte, sondern Lebewesen, mit denen sie fühlt und für die sie sorgt.

Larglinda Islami bei ihrer Arbeit im Labor. Die Mäuse sind ihre Versuchstiere – und dennoch keine bloßen Objekte, sondern Lebewesen, mit denen sie fühlt und für die sie sorgt.

Die sogenannte 3R-Regel – also replace (vermeiden), reduce (verringern), refine (verbessern) – die unter anderem vorgibt, die Gesamtzahl aller Versuchstiere zu reduzieren und die Versuche so schonend wie möglich zu gestalten, ist für mich nicht nur eine bürokratische Vorgabe – sondern ein persönlicher Maßstab. So habe ich als eine der ersten in unserem Labor eingeführt, dass wir langfristige Studien über mehrere Monate an den gleichen Mäusen durchführen. Dadurch können wir mehr Informationen aus denselben Tieren gewinnen und die Gesamtzahl der benötigten Tiere reduzieren. Ich habe außerdem die Verhaltensexperimente und deren Ablauf optimiert, damit sie einen echten Mehrwert liefern. Vor allem achte ich darauf, dass die Tiere ausreichend Ruhephasen haben und nicht unnötig oder chronisch gestresst werden. Und während der OPs setze ich den Mäusen eine selbstgebastelte Sonnenbrille auf – sie soll verhindern, dass eine vor der OP aufgetragene Augencreme durch das grelle Licht zu schnell trocknet und dadurch die Augen austrocknen.

Der Konflikt beginnt, wenn mir trotz aller Sorgfalt Fehler passieren. Oder wenn Experimente aus technischen Gründen scheitern, die nicht in meiner Hand liegen. Oder wenn während der Narkose plötzlich das Wohl eines Tieres auf der Kippe steht. In solchen Momenten lässt mich das nicht los. Dann kann es passieren, dass ich bis tief in die Nacht im Tierhaus bleibe, manchmal auch bis drei Uhr morgens, um sicherzugehen, dass es dem Tier gut geht.

Gute Forschung bedeutet für mich nicht nur, Daten zu generieren, die ich publizieren kann. Sondern auch Sorgfalt und Transparenz bei der Arbeit. Und eine sehr gute Ausbildung: Mein Verantwortungsgefühl versuche ich an meine Studierenden und Doktorand:innen weiterzugeben. Damit auch künftig jeder Eingriff und jedes Experiment so verantwortungsvoll wie möglich durchgeführt wird.

Larglinda Islami ist Postdoktorandin am Leibniz-Institut für Resilienzforschung in Mainz und erforscht neurobiologische und physiologische Mechanismen von Resilienz und Vulnerabilität an Mäusen. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf traumaassoziierten Gedächtnisprozessen. Sie untersucht auch innovative Therapieansätze, etwa Psychedelika-assistierte Interventionen zur Förderung von Resilienz und Behandlung traumaassoziierter Symptome.

Dieser Text ist Teil des Schwerpunkts Zarte Fakten im Juli 2026.

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