Der erweiterte Mensch

16.09.2016, Astra Kulturhaus Berlin

Vorträge

Virtuelle Realität und echte Muskeln

Prof. Dr. Patrick Baudisch, Hasso-Plattner-Institut, Universität Potsdam

Foto: Brian Lee, 2005

Mit Headsets wie Oculus, Google und Valve erreich die Virtuelle Realität den Konsumenten. Aber was kommt als nächstes? I denke, dass es das physisch wahrnehmbare Erlebnis sein wird. Aber wie wird das aussehen, da das doch große, sperrige und teure Hardware erfordern würde? Wenn wir das Problem nicht mit Maschinen lösen können, schlage ich vor, es mittels Menschen zu lösen. In meiner Science Notes werde ich sechs Forschungs-Prototypen zeigen, die einen starken physischen Eindruck beim User erzeugen. Die ersten drei funktionieren über die elektrische Stimulation von Muskeln. Das bedeutet, dass wir Elektroden an User geklebt haben. Die anderen drei Prototypen verwenden die Muskeln unserer Freunde: Mit computergesteuerter Hilfe heben sie dich hoch oder platzieren Objekte und Wände vor dir, gerade rechtzeitig, damit du das komplette virtuelle Erlebnis hast.

 

Patrick Baudisch ist Professor für Computer Science am Hasso Plattner Institut an der Universität Potsdam und Lehrstuhlinhaber des Human Computer Interaction Lab. In seiner Forschung beschäftigt er sich insbesondere mit natürlichen user interfaces und interaktiven Geräten, u.a. sehr kleinen Mobilgeräten, Touch Input, interaktive Böden und Räume, und in letzter Zeit besonders interaktive Fabrikation. Davor arbeitete er als Forscher im Adaptive Systems and Interaction Research Group bei Microsoft Research und bei Xerox PARC. Er hat in Computer Science an der Technischen Universitäten Darmstadt promoviert. Seit 2013 ist er Mitglied der CHI Academy und seit 2014 ist er distinguished scientist der ACM.

Deutscher Informatik-Professor als international herausragend ausgezeichnet

ACM Interview mit Patrick Baudisch

The importance of Avatars for Virtual Reality

Betty Mohler, PhD, Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme

Eigentlich arbeitet Betty Mohler ja auf der USS Enterprise, genauer: auf dem Holodeck! Am Max-Planck-Institut in Tübingen beschäftigt sie sich mit der virtuellen Realität, wie wie wir uns in ihr bewegen und was sie mit unserer Wahrnehmung anstellt. Avatare interessieren sie dabei besonders, so hat sie z.B. untersucht, wie sich unsere Körperwahrnehmung in der virtuellen Realität verändert, je nachdem, wie der Avatar aussieht, mit dem wir uns bewegen. Um Avatare geht es auch in Ihrer Science Note.

 

 

Mikroelektronik für implantierbare Systeme. Technik die unter die Haut geht.

Prof. Dr. Maurits Ortmanns, Universität Ulm

Foto: Elvira Eberhardt / Uni Ulm

Funktionelle Stimulatoren sind heute weit verbreitet: Cochlea-Implantate, Tiefenhirn-Stimulatoren und die Sehprothese sind einige der bekanntesten Beispiele. Gleichzeitig werden neuronale Rekorder für die Grundlagenforschung und auch für Gehirn-Maschine-Schnittstellen entwickelt. Beide implantierbaren Systeme werden sehr anspruchsvoll, wenn eine große Anzahl von Elektroden realisiert werden muss: Platz- und Leistungsverbrauch, Fragen der Sicherheit, hohe Datenraten, sowie die Anzahl der Schnittstellen erhöhen den Forschungs- und Entwicklungsaufwand der Systeme und insbesondere der elektronischen Schaltungen. In diesem Vortrag werden einige der jüngsten weltweiten Fortschritte bei der Verwirklichung solcher implantierbarer, elektronischer Systemen vorgestellt.

 

Als einer der jüngsten Lehrstuhlinhaber (mit 35!) der Uni Ulm hat Maurits Ortmanns Leitung des Instituts für Allgemeine Elektrotechnik und Mikroelektronik übernommen und arbeitet an der Schnittstelle Mensch-Maschine. Konkret an mikroelektronischen Implantaten, wie sie z.B. für Sehprothesen nötig sind. Die große Frage dahinter: Wie können Technik und Mensch in Interaktion gebracht werden?

Kognitive Modellierung in dynamischen Mensch-Maschine-Systemen

Prof. Dr. Nele Rußwinkel, TU Berlin

Fotostudio Charlottenburg

Um die Interaktion von Computer und Maschinen optimal zu gestalten, muss man nicht nur wissen, wie man programmiert, man muss auch den Menschen und sein Denken, seine Kognition verstehen. Brücken zwischen Ingenieurswissenschaften und kognitiver Psychologie bauen, das ist das Projekt von Nele Rußwinkel. Die studierte Kognitionswissenschaftlerin ist mittlerweile Leiterin des Fachgebiets Kognitive Modellierung in dynamischen Mensch-Maschine-Systemen an der TU Berlin. In ihrer Science Note wird es um die Frage gehen, wie wir neue Technik besser bedienbar gestalten können?

Blended Reality – Die Zukunft der virtuellen Realität

Prof. Dr. Frank Steinicke, Universität Hamburg

Wie bringen wir zweidimensionale digitale Welten mit unserer dreidimensionalen realen Welten zusammen? Diese Frage geht Frank Steinicke zusammen mit seiner Arbeitsgruppe Human-Computer-Interaction nach. Für ihn ist dabei klar: Spätestens 30 Jahren sind virtuelle und ‘echte’ Realität miteinander verschmolzen und wir werden keinen Unterschied mehr wahrnehmen. Wir werden es also noch in unserem Alltag selbst erleben, was eine virtuell erweiterte Realität für uns bedeuten wird. Frank Steinicke ist ein hochprofilierter Forscher auf dem Gebiet und uns einen Einblick geben können, was auf uns zukommt. In seiner Science Notes geht es dann auch um die Blended Reality – Die Zukunft der virtuellen Realität.

 

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