Wildnis im Kino

09.12.2021, Kino Atelier, Tübingen
18 Uhr

Eigentlich wollten wir euch am 9. Dezember mit einem Film und einem Vortrag aus unserer Reihe »Wildnis im Kino« erfreuen, doch das Corona-Infektionsgeschehen und die derzeitige Lage in den Krankenhäusern haben uns zum Grübeln gebracht. Schweren Herzens haben wir deshalb beschlossen,  Vortrag, Drinks und Musik dieses Mal ausfallen zu lassen. Die gute Nachricht: Den Film »WILD – Jäger und Sammler« könnt ihr euch trotzdem im Kino ansehen.

Weit entfernt von der Wildnis – und doch mittendrin: Von November bis März zeigen wir im Kino Atelier Tübingen am zweiten Donnerstag jedes Monats einen Film, der uns mitten in die Wildnis bringt. Im Anschluss gibt es einen 15-minütigen Vortrag aus wissenschaftlicher Perspektive und DJ-Livemusik sowie Visuals.

Tickets können per Mail reserviert werden: atelier@arsenalkinos.de

Filme

Heimat Natur (11.11.2021)

Vortrag: Prof. Dr. Susanne Marschall

Heimat ist da, wo wir aufwachsen oder uns dauerhaft niederlassen. Und diese Heimat ist stets auch von Natur geprägt. Diese verändert und gestaltet der Mensch heute mehr als jedes Naturgesetz. »Heimat Natur« ist eine bildgewaltige Reise durch die Natur unserer Heimat, von den Gipfeln der Alpen bis an die Küsten und in die Tiefen von Nord- und Ostsee. Dazwischen liegt ein filmischer Streifzug durch dampfende Wälder, flirrende Moore, über rosablühende Heiden und die bunte Kulturlandschaft rings um unsere Dörfer und Städte. In außergewöhnlichen Bildern zeigt er diese Natur von ihrer schönsten Seite, und untersucht dabei den Zustand der heimischen Lebensräume. Zeitlupen- und Zeitrafferaufnahmen sowie intime Aufnahmen von wohlvertrauten und unbekannten Arten, manche zum ersten Mal gefilmt, machen den Film zu einem cineastischen Naturerlebnis für die ganze Familie

Der Vortrag wird von Susanne Marschall, Professorin für Medienwissenschaft mit Schwerpunkt auf Audiovisuellen Medien, Film und Fernsehen, gehalten.

WILD – Jäger & Sammler (09.12.2021)

»WILD – Jäger und Sammler« stellt eine der ältesten Kulturtechniken der Welt zur Debatte und dokumentiert aus unterschiedlichen Perspektiven authentisch das Wesen der Jagd. Der Filmemacher, Jäger und Forstingenieur Mario Theus konfrontiert das Publikum mit brisanten Fragen zu unserer ambivalenten Beziehung zu Wild-, Haus- und Nutztieren, und er dokumentiert schonungslos Widersprüche, die unserem Fleischkonsum zu Grunde liegen.

Der wilde Wald (13.01.2022)

Gespräch mit Lisa Eder (Regie), Vortrag: Prof. Dr. Christoph Schurr

»Natur Natur sein lassen« lautet die Philosophie des Nationalparks Bayerischer Wald. Trotz eines massiven Widerstands ist diese Vision zu einem bahnbrechenden Vorzeigeprojekt geworden. Weil der Mensch nicht in die Natur eingreift, wächst aus den einstigen Wirtschaftswäldern ein Urwald heran, ein einzigartiges Ökosytem und ein Refugium der Artenvielfalt. Menschen aus aller Welt kommen hierher. Sie suchen Antworten auf die Frage, warum wir mehr wilde Natur brauchen und was wir von ihr lernen können, um Wälder in Zeiten des Klimawandels auch für künftige Generationen zu bewahren.

Zu dem Thema »Wald – Wildnis oder Kulturlandschaft?« wird Prof. Dr. Christoph Schurr von der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg einen Kurzvortrag halten. Anschließend gibt es Livemusik und Visuals.

Begegnungen am Ende der Welt (10.02.2022)

N.N.

Im ewigen Eis der Antarktis lebt von der Außenwelt abgeschnitten eine kleine Gruppe von Menschen unter extremsten Bedingungen. Täglich riskieren diese knapp 1000 Männer und Frauen im Dienst der Wissenschaft Leben und (mentale) Gesundheit. Werner Herzog und sein Kameramann Peter Zeitlinger haben sich auf eine sehr persönliche Expedition an den Südpol begeben, um jene Menschen und die bemerkenswertesten Orte dieses Territoriums aufzusuchen. Unter zum Teil lebensgefährlichen Bedingungen spürt Herzog mit seiner Kamera über und unter der Eisdecke eine bis dato unbekannte Welt auf, die in ihrer schier unglaublichen Anmutung und Schönheit wie eine fremde, beinahe surreale Welt wirkt. Dieser Film ist eine sowohl epische als auch philosophische Erkundung der letzten großen Geheimnisse unseres Planeten und wurde 2009 für einen Oscar nominiert.

Die Zähmung der Bäume (10.03.2022)

Vortrag: Prof. Dr. Oliver Bossdorf

Ein mächtiger Mann, der auch der ehemalige Premierminister von Georgien ist, kauft alte, bis zu 15 Stockwerke hohe Bäume entlang der georgischen Künste, um sie in seinen privaten Garten zu verpflanzen. Für den aufwändigen Transport der Bäume werden andere Bäume gefällt, Stromkabel verlegt und neue Strassen durch Mandarinenplantagen gepflastert. Die dramatische Migration hinterlässt etwas Geld, vernarbte Dörfer und verwirrte Gemeinschaften. Die Regisseurin Salomé Jashi begleitet diesen bizarren wie erschütternden Prozess, und vermittelt zugleich ein Bild der Lebensverhältnisse einer ländlichen Bevölkerung an der äussersten Peripherie Europas. Der Film rückt den Begriff der Entwurzelung von seiner metaphorischen Bedeutung in eine bedrückende, greifbare und doch surreal anmutende Realität und wird zu einer Ode an die Rivalität zwischen Mensch und Natur.

Vom Institut für Evolution und Ökologie der Universität Tübingen wird Oliver Bossdorf einen Vortrag zum Thema »Pflanzen in Bewegung« halten.