Licht und ich

26.09.2015, Berlin, SO36

Thema

Die nächsten Science Notes finden am 26.09.2015 in der legendären Kreuzberger Clubinstitution SO36  in Berlin statt. Da kommen wir doch gerne hin! Bei Science Notes gehen Lichter auf, deswegen ist es an der Zeit, da mal genauer hinzuschauen. Wir haben fünf Wissenschaftler eingeladen, in deren Forschung es um LICHT geht. Neugierig? Zurecht! Musikalische Unterstützung in Berlin kommt vom REACTABLE Künstler Klangmechanik. Lichtmusik: zum hören, sehen und bewegen.

Vorträge

Jenseits des Auges – Die unsichtbare Wirkung des Lichts

Prof. Dr. Christian Cajochen, Universität Basel – Centre for Chronobiology

Haben sie gewusst, dass die Farbe des Umgebungslichts einen Einfluss auf den Geschmack von Wein hat, oder dass die Kursgewinne an der New Yorker Börse an trüben Tagen nicht so hoch sind wie an wolkenlosen? Diese Beispiele zeigen, dass Licht neben der Primärfunktion „Sehen“ auf zahlreiche Verhaltensebenen des Menschen einwirkt. Kürzlich entdeckte Sinneszellen im Auge stehen im Verdacht, diese unsichtbaren Lichtwirkungen an bestimmte Hirnregionen weiterzuvermitteln. Das Ziel sind Hirnzentren, welche die Stimmung, den Schlaf und die innere Uhr des Menschen regulieren. Also aufgepasst, wenn sie das nächste Mal aufs Smartphone schauen. Licht bestimmt, ob man richtig tickt.

In Christian Cajochens Arbeit geht es um zwei Sachen, die wir alle ausgiebig jeden Tag machen: Schlafen und Smartphone checken. Er ist Chef der Chronobiologie an der Uni Basel und beschäftigt sich u.a. mit der Frage, welchen Einfluss Licht auf unseren Organismus hat – und insbesondere auf unseren Schlaf. Das blaue Licht von Tablets und Smartphones hat ihn dabei besonders interessiert. Er ist ein Forscher von höchstem interenationalen Renommée – seine Papers findet man in den besten Journals der Zunft.

Links:

Insekteninspirierte Facettenoptiken für Consumer

Dr. Andreas Bräuer, Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF Abteilungsleiter Mikrooptische Systeme

Insekteninspirierte Facettenoptiken für Consumer
Facettenaugen der Insekten dienen als Vorbild für großtechnisch herstellbare ultradünne Kameras, die gegenüber den herkömmlichen einkanaligen Kameras zusätzliche, z.B. von Mobiltelefon-Nutzern sehr gewünschte Eigenschaften aufweisen. Nutzt man multikanalige Mikrooptiken für Beleuchtungs- bzw. Projektionsmodule, können mit diesen, im Unterschied zum klassischen einkanaligen Ansatz, z.B. variable Lichtfelder erzeugt werden. Das interessiert u.a. die Automobilindustrie sehr.

Andreas Bräuer sorgt mit seiner Forschung dafür, dass es überhaupt so etwas wie ultrakompakte Kameras und Mikroprojektoren gibt. Es geht also um mikrooptische Systeme, die er in seiner Arbeit von der Konzeption bis hin zu Herstellungstechniken und deren Überführung in die industrielle Anwendung abdeckt. Für diese Arbeit hat er 2013 den MOC Preis in Tokyo bekommen – nicht der erste Preis, den er für seine herausragende Forschung bekommen hat. So wurde ihm z.B. 2007 der Deutsche Zukunftspreis für seine Arbeiten in der LED-Technik verliehen.

Wie Tag und Nacht

Prof. Hannelore Deubzer, TU München – Raumkunst und Lichtgestaltung,
Deubzer König + Rimmel Architekten

Architektur folgt stets einer Idee: der Entwurf, die materielle Gestaltung des Raums setzt seine Imagination, seine Antizipation voraus. Wo Nichts ist, soll Etwas werden, postuliert die Architektur, und es gelingt ihr am schönsten mit den alten originären Mitteln: mit Wand und Licht. In dieser Reduktion auf’s Elementare, in der Beschränkung liegt ihre größte Wirksamkeit. Doch Industrie und Lichtdesigner können zunehmend auf die Wirkung des Effekts bauen. Er wird verstanden und gewollt von einer Gesellschaft, die – ein Zitat aus dem Spiegel – “dem Primat der Sichtbarmachung” verpflichtet ist.

Mit Licht Räume gestalten und strukturieren. Das ist es, was Hannelore Deubzer macht – und zwar sowohl als Architektin als auch als Professorin für Architektur an der TU München. Wichtige Themen ihrer Forschung sind die Entwicklung moderner Lichttechnologie und die Illuminierung bzw. Medialisierung des öffentlichen Raums. Ihre Architektur kann man an zahlreichen Orten in Deutschland erleben.

Solarstrom aus der Thermoskanne

Prof. Dr. Robert Pitz-Paal, Direktor am DLR-Institut – für Solarforschung

Mit Hilfe der Solarenergie kann man Häuser beheizen oder auch warm duschen, auch wenn die Sonne schon untergegangen ist. Man nimmt einfach das solar erwärmte Wasser aus einem großen Speichertank. Aber kann man auf diese Weise auch Strom erzeugen? Der Vortrag zeigt dass es geht und wo das heute schon großtechnisch genutzt wird.

Als einer von zwei Co-Direktoren des DLR Instituts für Solarforschung ist Robert Pitz-Paal einer der kompetentesten Sprecher über Solartechnik, den wir uns überhaupt vorstellen können. Das Thema „Konzentrierenden Solartechnik“ hat ihn schon in seiner Promotion beschäftigt und gehört bis heute zu seinen Arbeitsschwerpunkten. Dabei interessieren ihn besonders gekoppelte Wärmeübertragungsprobleme in der Strahlung, Konvektion, Wärmeleitung und chemische Reaktionen eine Rolle spielen. Seine Arbeit ist vielfach international ausgezeichnet.

Kopernikus’ Revolution 2.0

Prof. Dr. Joachim Saur, Universität zu Köln, Institut für Geophysik und Meteorologie

Fast Nichts dreht sich um die Erde. Damit verstieß Kopernikus vor 500 Jahren die Einzigartigkeit der Erde. Mittels immer neueren Methoden Licht auszuwerten hat die Astronomie Planeten um andere Sonnen und flüssiges Wasser auf anderen Körpern aufgespürt. Damit wird die Einzigartigkeit der Erde erneut, aber enorm universeller in Frage gestellt.

In seiner Forschung bewegt sich Joachim Saur durch die unendlichen Weiten des Weltalls. Bei der Erforschung von extrasolaren Planeten, Turbulenzen im space plasma und ‘Nordlichtern’ im Weltall (auroras), benutzt er auch Teleskope wie das berühmte Hubble-Teleskop.Als Forscher kommt er auf der ganzen Welt herum. Dieses Jahr hat die Entdeckung von Wasser auf dem Jupiter Mond Ganymede für internationales aufsehen gesorgt.

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