Verbrechen
Verbrechen
Ein Abend voll Verbrechen – und über die Wissenschaft darüber. Mit dem Journalisten Niko Kappel erkunden wir ein verbotenes Archiv und folgen dem Forscher Dirk Labudde in sein Labor. Dort entwickelt er Methoden, wie Menschen selbst unter aufwändigen Verkleidungen identifiziert werden können. Wem wird seine Forschung dienen? Die Journalistin Sabrina Winter fragt sich, warum die Kriminologie sich besonders für die Verbrechen von armen Menschen interessiert – dabei richten die Reichen doch einen viel größeren Schaden an. Die Professorin Charlotte Förster erzählt von ihrer Arbeit zu einem leider allgegenwärtigen Verbrechen in Clubs: den K.-o.-Tropfen. Mit ihrem Forschungsprojekt möchte sie für mehr Bewusstsein sorgen. Verbrechen haben viele Gesichter. Von der Ästhetik der Akten erzählt Science Notes Art Direktorin Sandra Teschow.
Mario Schönhofer begleitet den Abend mit einem Live-Set an seinem analogen Synthesizer.
Vorträge
Der Code des Verbrechens - KI im Einsatz
Prof. Dr. Dirk Labudde
Wie können maschinelles Lernen und automatisierte Analysesysteme dazu beitragen, komplexe Zusammenhänge in Ermittlungsverfahren schneller zu erkennen? Künstliche Intelligenz ist kein Ersatz für kriminalistisches Denken, sondern ein mächtiges Hilfsmittel, um Ermittlerinnen und Ermittler zu entlasten und neue Erkenntnisse zu ermöglichen.
Gerade angesichts der rasanten technologischen Entwicklung und der zunehmenden Professionalisierung der Täter, ist es notwendig neue Wege zu finden. KI kann hier helfen, Muster frühzeitig zu erkennen, Zusammenhänge herzustellen und dadurch wertvolle Zeit zu gewinnen. Entscheidend ist jedoch, dass die Technologie verantwortungsvoll eingesetzt und mit menschlicher Erfahrung, Intuition und Rechtsbewusstsein kombiniert wird.

Dirk Labudde begann 2009 als Professor für Bioinformatik an der Hochschule Mittweida und gründete 2014 Deutschlands ersten Bachelorstudiengang Allgemeine und Digitale Forensik, zu welchem er ebenfalls 2014 zum Professor berufen wurde. Dort leitet er die Forschungsgruppe FoSIL (Forensic Science Investigation Lab), welche sich mit den verschiedensten forensischen Fragestellungen beschäftigt. Seit 2017 ist er außerdem Leiter des Lernlabors Cybersicherheit der Fraunhofer Academy. Er studierte zunächst Theoretische und Medizinische Physik an der Universität Rostock und promovierte 1997 in Theoretischer
Physik.
Das verbotene Archiv
Niko Kappel
Der Journalist Niko Kappel erzählt die unglaubliche Geschichte von dem New Yorker Leroy Ehrenreich, der über Jahrzehnte hinweg tausende von Opern mitgeschnitten hat – und so ein einzigartiges Archiv geschaffen hat. Die Sammlung wäre ein Schatz für die Forschung – wenn sie nur legal wäre!

Niko Kappel arbeitet als Journalist, er schreibt unter anderem für Die Zeit und den Stern. Außerdem ist er Teil des Podcastkollektivs Lagune 11, verantwortlich für Seelenfänger oder Stars unserer Kindheit. Er beschäftigt sich mit Popkultur und gesellschaftlichen Abgründen.
Blutige weiße Kragen: Warum wir zu wenig auf die Verbrechen der Reichen schauen
Sabrina Winter
Die Kriminologie schaut vor allem auf die Verbrechen armer Menschen. Dabei schaden Reiche mit ihren Taten der Gesellschaft viel mehr. Doch White-collar-crimes sind in unserem Denken und in der Kriminologie unterrepräsentiert. Das hat mitunter tödliche Folgen.

Sabrina Winter arbeitet als Journalistin. Sie hat Soziologie, Politikwissenschaft und Internationale Kriminologie studiert. Ihre journalistische Ausbildung absolvierte sie an der Henri-Nannen-Schule.
Don’t spike my drink: Was wissen wir über „K.O.-Tropfen“?
Prof. Dr. Charlotte Förster
Was ist eigentlich unter dem volkstümlichen Begriff K.-o.-Tropfen zu verstehen und was wissen wir darüber aus der Forschungsperspektive? Charlotte Förster erklärt, welche Substanzen sich dahinter verbergen und gibt Einblicke in die aktuelle Datenlage. Hierbei wird es auch um die bisher einzige deutsche Dunkelfeldstudie zu Bekanntheit, Erfahrung und Umgang mit Spiking gehen. Informationen zum Projekt: www.do-not-knock-me-out.com
Von der Ästhetik der Akten
Sandra Teschow
Gibt es eine Ästhetik des Verbrechens? Wer die Cover von „True-Crime“- Formaten überfliegt, der bekommt schnell ein klares Bild: Fette Großbuchstaben bellen uns an, vorzugsweise in schwarz, weiß oder rot.
Die Aufmacher zeigen knallharte Reporter:innen in düsterem Chiaroscuro. Zu sehen sind Fingerabdrücke, Leichenumrisse und Absperrbänder, bluttriefende Messer und große Knarren, kurzum: das ganze Arsenal
unserer übersteigerten Vorstellung, was so ein echtes Verbrechen eben ausmacht. In düsteren Formen und Farben verkünden die Geschichten Tod und Verderben, versprechen Jammern und Schaudern.
Doch jedes Verbrechen erfährt eine ganz besondere ästhetische Behandlung die durch das Formular. Die In diesem Vortrag geht die Art-Direktorin des Science Notes Magazin der Ästhetik der Akten nach.

Sandra Teschow ist die Art Direktorin des Science Notes Magazins. Für ihre Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u.a. vom Art Directors Club.
Musik
Mario Schönhofer & Matze Sampler
Liveset am analogen Synthesizer

Mario Schönhofer kombiniert Musik und Technik auf beeindruckende Weise. In der Performance werden zwei analoge modulare Synthesizer ohne Computer oder Samples zum Zentrum ihrer kreativen Arbeit. Dadurch können die Musiker ihre Songs neu interpretieren und mit Improvisationen und spontanen Kompositionen kombinieren.